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Der Oktober 2025 war mit nahezu 300 Hinrichtungen der blutigste Monat im Iran seit 36 Jahren. Unter den Hingerichteten befanden sich mindestens sieben Frauen – eine der höchsten Zahlen seit den 1980er Jahren.

Diese beispiellose Welle der Hinrichtungen verdeutlicht die Angst und Verzweiflung eines Regimes, das angesichts wachsender gesellschaftlicher Unzufriedenheit, wirtschaftlicher Krise und politischer Isolation versucht, eine neue landesweite Erhebung zu verhindern.

In den letzten Oktobertagen erließ das Regime ein weiteres Schockurteil:

Die politische Gefangene Zahra Shahbaz Tabari, Unterstützerin einer Oppositionsorganisation, wurde zum Tode verurteilt – ein historischer Präzedenzfall.

Fall Zahra Shahbaz Tabari

 

Am 25. Oktober 2025 verurteilte das Revolutionsgericht in Rasht die 67-jährige Zahra Shahbaz Tabari zum Tod. Ihr wurde „Unterstützung einer oppositionellen Organisation“ vorgeworfen.

Die Verhandlung fand per Videokonferenz statt und dauerte weniger als zehn Minuten. Der vom Gericht bestellte Pflichtverteidiger legte keine Verteidigung vor.

Laut Familienangaben bestand die Beweisführung lediglich aus einem Stoffbanner mit der Aufschrift „Frau, Widerstand und Freiheit“ sowie einer nicht verifizierten Tonaufnahme.

Zahra Shahbaz Tabari hat einen Masterabschluss in Elektrotechnik von der Technischen Universität Isfahan und der Universität Borås (Schweden).
Sie wurde am 16. April 2025 ohne richterlichen Haftbefehl von Sicherheitskräften festgenommen und befindet sich derzeit im Gefängnis Lakan in Rasht.

Systematische Repression und Gewalt gegen Frauen

Neben der massiven Hinrichtungswelle setzt das Regime auch andere Formen der stillen Vernichtung ein – die Verweigerung medizinischer Behandlung und das Zermürben durch Krankheit in überfüllten Gefängnissen mit katastrophalen hygienischen Bedingungen.

Mindestens drei weibliche Gefangene – darunter die politische Gefangene Somayeh Rashidi im berüchtigten Gefängnis Qarchak – starben im September 2025 aufgrund unterlassener medizinischer Versorgung.

Weitere Fälle:

  • Fariba Khorramabadi, Theologin und Mutter eines Kindes, wurde im August 2025 ohne Haftbefehl festgenommen und später zu 18 Monaten Haft wegen „Propaganda gegen das System“ verurteilt. Sie leidet an schweren Herzproblemen und wurde durch falsche Medikation gesundheitlich geschädigt.
  • Manijeh Hosseini-Fard (62) sowie Yalda Emam-Doust (50) befinden sich seit August in willkürlicher Haft, ohne dass Anklage oder Aufenthaltsort offiziell bekanntgegeben wurden.

Frauen, die im Oktober hingerichtet wurden

  1. Zeynab Khodabandeh – 13. Oktober
  2. Nahid Hemmati – 15. Oktober
  3. Kafiyeh Ghobadzadeh – 15. Oktober
  4. Saeedeh Khodadadi – 22. Oktober
  5. Narges Ahmadi – 25. Oktober
  6. Mahbubeh Jalali – 25. Oktober
  7. Katayoun Shamsi – 29. Oktober

Die meisten dieser Frauen waren Opfer häuslicher Gewalt und sozialer Diskriminierung. Viele wurden nach unfairen Verfahren zum Tode verurteilt, nachdem sie sich gegen jahrelange Misshandlung durch ihre Ehemänner gewehrt hatten.

Widerstand gegen die Hinrichtungen

Trotz der Eskalation der Gewalt wächst der Widerstand innerhalb und außerhalb der Gefängnisse.

Zwischen dem 13. und 19. Oktober traten 1.500 zum Tode verurteilte Gefangene im Gefängnis Ghezalhesar (Karaj) in Hungerstreik – die größte kollektive Protestaktion in der Geschichte iranischer Gefängnisse.

Ihre Angehörigen – vor allem Frauen, Mütter und Kinder – demonstrierten mehrfach vor dem Gefängnis und dem Parlament in Teheran mit Transparenten wie:

„Die Hinrichtung eines Menschen beendet kein Verbrechen – sie beginnt neues Leid für seine Kinder.“

Unter öffentlichem und internationalem Druck versprach die Gefängnisleitung eine vorübergehende Aussetzung der Hinrichtungen.

Medizinische Vernachlässigung als Foltermethode

Mehrere politische Gefangene sind akut gefährdet:

  • Maryam Akbari Monfared, seit 16 Jahren in Haft, leidet an starken Rücken- und Beinschmerzen, wird jedoch nicht behandelt.
  • Hoda Mehrganfar (38), mit Endometriom-Diagnose, wird die notwendige Krankenhausbehandlung verweigert.
  • Shiva Esmaeili (60) leidet unter starken Schmerzen; ein geplanter Krankenhausaufenthalt wurde abgebrochen, da sie die Kosten nicht sofort zahlen konnte.
  • Fatemeh Ziaei (68), eine ehemalige politische Gefangene aus den 1980er Jahren, leidet an fortgeschrittener MS und erhält keine adäquate Behandlung.

Diese Fälle belegen den systematischen Einsatz von medizinischer Unterlassung als Form der Folter.

Internationale Reaktionen

Die eskalierende Welle von Hinrichtungen führte zu scharfen Reaktionen:

  • Amnesty International forderte die Mitgliedsstaaten der UN auf, „den schockierenden Exekutionswellen im Iran sofort entgegenzutreten“.
  • UN-Generalsekretär António Guterres äußerte tiefe Besorgnis und verlangte die sofortige Aussetzung aller Hinrichtungen, die Freilassung politischer Gefangener und die Beendigung von Folter und unmenschlicher Behandlung. Er betonte, dass viele Todesurteile auf unter Folter erzwungenen Geständnissen beruhen und Verfahren elementare Rechtsstandards verletzen.

Dringender globaler Aufruf zum Handeln für die Rechte der Frauen im Iran

Die bewusste Verweigerung medizinischer Versorgung für kranke politische Gefangene ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Ausdruck der tiefen Menschenrechtskrise im Iran.

Nur entschlossenes Handeln der internationalen Gemeinschaft kann diesem Kreislauf der Gewalt ein Ende setzen.

Der UN-Menschenrechtsrat, der Hohe Kommissar für Menschenrechte und die Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen sollten eine unabhängige Untersuchungskommission entsenden, um Haftbedingungen zu prüfen und insbesondere inhaftierte Frauen zu schützen.

Ein nachhaltiger Ausweg aus der Krise erfordert:

  • internationalen Zugang zu Gefängnissen,
  • die Verknüpfung internationaler Beziehungen mit der Einhaltung der Menschenrechte,
  • und die Stärkung der iranischen Zivilgesellschaft sowie ihrer Möglichkeiten zur Dokumentation und Aufklärung.

Schweigen bedeutet Mitschuld.
Die Weltgemeinschaft muss dem System der Hinrichtungen und des Staatsterrors entschieden entgegentreten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.
Trotz Unterdrückung wächst der zivile Widerstand – getragen von mutigen Frauen, die für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung eintreten.

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